Tiefe Hirnstimulation (THS)

Bei Parkinsonpatienten des rigid-kinetischen Typs mit starken Wirkungsfluktuationen (mit häufigen ON- und OFF-Phasen) und Dyskinesien (unkontrollierbaren Überbewegungen) in der Spätphase der Erkrankung oder bei tremortypischen Parkinsonpatienten mit heftigem Tremor (Zittern) bietet die Tiefenhirnstimulation (THS, im Englischen Deep Brain Stimulation = DBS genannt) eine Möglichkeit zur weiteren Therapie. Bei einem vom L-Dopa-Langzeitsyndrom verursachten Krankheitsbild ist die Einsetzung eines Schrittmachers in das Gehirn, der permanent elektrische Impulse gibt, eine weitere Behandlungsoption. Das Verfahren wird auch populärwissenschaftlich als Einsetzung eines "Hirnschrittmachers" bezeichnet. Es ist reversibel, so dass es ggf. später auch wieder rückgängig gemacht und entfernt werden kann. Es wird allerdings empfohlen, es bei Parkinsonpatienten mit ausgeprägten zusätzlichen neurologischen Störungen nicht durchzuführen.

Bis zum Ende der 80er Jahre hat man bei der Tiefenhirnoperation ablativ sehr kleine Zellgebiete entweder mechanisch oder durch Wärme- und Kälteeinwirkung dauerhaft zerstört, um bestimmte Hirnareale, die durch Überaktivität dieses Krankheitsbild hervorrufen, auszuschalten. Danach hat man durch neue Verfahren der stereotaktischen Operation die Möglichkeit geschaffen, mit Hilfe von in das Kerngebiet des Gehirns eingeführten Elektroden und einer anschließenden kontinuierlichen Gabe von elektrischen Impulsen unterschiedlicher Stärke, Häufigkeit und Dauer bestimmte Hirngebiete funktionell zu beeinflussen, um dadurch eine Linderung des Krankheitsbildes zu erreichen. Den Verlauf der Erkrankung kann die THS-Operation nicht verhindern.

Beim Einsetzen der Elektroden stehen zurzeit unterschiedliche Zielpunkte zur Verfügung. Dabei werden bei Parkinsonpatienten mit Spätsyndromen beide Hirnhälften operiert. Unter der Haut (im Brust- oder Bauchbereich) wird ein Stimulationsgerät eingepflanzt, das mit den Elektroden im Gehirn verbunden ist und sowohl durch ein größeres Arztgerät als auch durch ein Patienten-Handgerät eingestellt werden kann. Bei neueren Stimulationsgeräten können die verschiedenen Parameter für Dauer, Stärke und Häufigkeit des Impulses getrennt und bei den Elektroden verschiedene Ausgänge des Impulses unterschiedlich eingestellt werden. Da alle Leitungsverbindungen und das Stimulationsgerät selbst unter der Haut liegen und somit abgedeckt sind, spricht man auch von einem geschlossenen System, das dem Patienten mit THS erlaubt, Schwimmen und Baden zu gehen.

Der Erfolg des Eingriffs wird vor der Operation durch einen L-Dopa- oder Apomorphin-Test überprüft. Symptome, die nicht auf L-Dopa ansprechen, sind auch mit dem Hirnschrittmacher nicht zu verbessern. Die Operation ist ein durch die Krankenkassen und Krankenversicherungen anerkanntes und erstattungsfähiges Verfahren. Die Kosten betragen ca. 35-45.000 Euro. Es ist empfehlenswert, die THS-Operation bei entsprechenden Kompetenzzentren für THS (an verschiedenen Universitätskliniken) durchführen zu lassen.

Da bei beiden Elektroden mehrere verschiedene Stimulationsmöglichkeiten vorhanden sind, bedarf es nach der Operation einer längeren Einstellungsphase, um beim einzelnen Patienten zu einer individuell günstigen Stimulation zu kommen. In der Regel kann nach der THS-Operation die bisherige Medikamenteneinnahme - zum Teil erheblich - reduziert werden. Sowohl Stimulation als auch die weitere medikamentöse Therapie sind dabei immer wieder in Einklang zu bringen, um letztlich ein gutes Ergebnis zu erzielen. Auch vor dem Hintergrund einer Langzeitbeobachtung bei der Einsetzung des Schrittmachers im Gehirn sollten mögliche psychische Probleme nicht vernachlässigt, sondern frühzeitig beachtet und therapiert werden.

Für THS-Patienten ist der Erfahrungsaustausch wichtig und wertvoll. Die Regionalgruppe Freiburg hat einen Ansprechpartner für THS (siehe Kontakte / Ansprechpartner). Er kooperiert mit der Uniklinik Freiburg. Jährlich findet ein Gesprächskreis für Parkinsonpatienten mit Tiefer Hirnstimulation im Neurozentrum der Uni Freiburg statt (siehe Aktivitäten / Ausflüge / Termine).

Über den Bundesverband der deutschen Parkinson Vereinigung e.V. (siehe www.parkinson-vereinigung.de) kann sowohl das Informationsheft Ratgeber Nr. 3: "Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson" als auch die dPV-eigene Zeitschrift "dPV-Journal - Zeitschrift für JUPA-, MSA-, PSP- und THS-Patienten" bezogen werden, die mehrmals im Jahr erscheint und mit einem eigenen Redaktionsteil besonders auf Probleme und Belange von THS-Patienten eingeht.